Saisonabschluss

Am Sonntag ab 10 Uhr im Heimatmuseum / Fast 700 Besucher gezählt

Hattendorf. Museumsleiter Karl Hampel schnappt sich die Liste und zählt zusammen und das dauert einen Moment, „es war richtig viel“, sagt der Museumsleiter auf die Frage nach den geschätzten Besucherzahlen und holt dann die Liste. Die ist nämlich neu, seit dem Start der neuen Museumssaison am 1. Mai haben die Ehrenamtlichen jeden notiert, der sich hier die Exponate aus dem ländlichen Leben anschauen wollte. Also muss bei der Frage nach den Besucherzahlen nicht mehr Pi mal Daumen geschätzt werden, sondern es kann konkret geantwortet werden. „698 Besucher“, sagt Hampel. Und hat recht: Das ist viel.

Aber das habe auch seinen Grund, meint Rolf Prange: Wir haben viel Reklame gemacht, und über die Mundpropaganda haben sich erfreulich viele Gruppen gemeldet.“ Kann man so sagen: Tanzgruppen, die Jägerschaft, der ehemalige Vereinsvorsitzende Jörg Landmann mit dem ehemaligen Lehrerkollegium, die CDU aus Bad Münder, Senioren aus Messenkamp, das DRK, und immerhin zehn Schulklassen konnten im letzten halben Jahr begrüßt und durch das Haus geleitet werden. Ohne kleine Schäden verlief die Saison auch nicht, meint Prange augenzwinkernd und erzählt von einer Demonstration im Klassenraum: Dort wollte Jörg Landmann in seiner Paraderolle als Lehrer von vor 100 Jahren einmal verdeutlichen, wie laut ein Zeigestock sein kann: Der Stock hat das nicht überlebt. Man kann sich unschwer vorstellen, was Landmann den Kindern demonstrieren wollte: Früher wurde in der Schule durchaus geschlagen, die körperliche Züchtigung von Kindern und Heranwachsenden war in Westdeutschland in (insbesondere handwerklichen) Ausbildungsverhältnissen bis etwa 1960 und an Grundschulen bis etwa 1970 ja weitverbreitet. Auch die Übertragung des Züchtigungsrechts an Dritte (etwa an Nachhilfelehrer) war bis etwa 1970 sozial akzeptiert und nicht unüblich. Aber nicht nur die Prügelstrafe hat den einen oder anderen kleineren Besucher überrascht, auch der Blick ins Schlafzimmer von einst ließ ein kleines Mädchen dies feststellen: „Die hatten aber eine große Tasse.“ Und sie stand unter dem Ehebett.

Auch ein Blick in die Küche kann erhellend sein; etwa, wenn man dabei erzählt, dass dies einst allein das Reich der Hausfrau war, die für ihre Arbeit zwei Stunden früher aufstehen musste. Zehn Schulklassen besuchten in dieser Saison das Museum, auch die Grundschule Auetal schaute mit zwei Klassen vorbei. Drei Hochzeiten wurden hier gefeiert, alle drei vor der Schmiede, alle drei bei wundrbaren Wetter, erzählen Hampel und Prange.

Jetzt steht der Saisonabschluss 2015 im Heimatmuseum Auetal an: Am kommenden Sonntag, 18. Oktober, lädt der Verein für Heimatpflege Auetal ein zum Abschluss der Museumssaison. Um 10 Uhr wird das Museum geöffnet, ab 11 Uhr gibt es Kartoffelpuffer mit Apfelmus und ab 13.30 Uhr wird Kaffee und Platenkuchen serviert. Das Ende ist für 16 Uhr geplant. Die Besucher haben noch einmal Gelegenheit, die diesjährigen Sonderausstellungen anzusehen: Wie und wann kam der Strom ins Auetal? Dazu gibt es alte Fotos aus den Auetaler Ortsteilen und Arbeiten in der Dorfschmiede.

Hampel, Prange und die ehrenamtlichen Helfer der Mittwochsrunde planen derweil schon für das nächste Jahr. Angedacht sind eine Bilderausstellung, natürlich wird es neue Bilder geben, und auch die Stromausstellung wird bleiben, allerdings soll sie verlängert, erweitert werden und um das Thema Wasserversorgung ergänzt werden.

Apropos Bilder: Hampel und Prange suchen noch Konfirmationsbilder aus den sechziger, siebziger Jahren. Denn, so zeigt es die Erfahrung, vor den Gruppenbildern, die 100 und noch mehr Jahre auf dem Buckel haben, bleiben die Besucher nicht allzu lange stehen, denn die Abgebildeten sind längst den Weg alles Irdischen gegangen. Bei neueren Bildern ist dies anders, man hat immer einen Chance, jemanden zu entdecken, den man noch kennt.

Am Sonntag, 8. November, gibt es ein Angebot für Kinder bis 14 Jahre: Ein Wintertag wie zu Omas Zeiten. Es wird vorgelesen, es gibt Bratäpfel, Kakao und Butterkuchen, dazu werden Führungen durch das Haus angeboten.

Von Frank Westermann